„Anti- Atomgruppe Schwerin“ lädt rechten Verschwörungstheoretiker zur Vorlesung ein

„Anti- Atomgruppe Schwerin“ lädt rechten Verschwörungstheoretiker zur Vorlesung ein

What happened ?
Am Dienstag, den 19.04.2011, hatte die „Anti- Atomgruppe Schwerin“, im Rahmen der „Atom-frei-Woche“, zu einem Vortrag über „Energie – Gewinnung und Entsorgung“ in den „Paulskirchen-Keller“ Schwerin (PKK) eingeladen. Als Referent hatte sich Rüdiger Klasen zur Verfügung gestellt und erhielt die Erlaubnis.
Er war zu diesem Zeitpunkt schon seit ca. 1 Monat bei der Gruppe aktiv, wobei ihn Gruppenmitglieder, im Nachhinein, als „eigenartig“ beschrieben. Er fiel durch sein „umfangreiches Wissen“ über diverse Verschwörungstheorien auf und trotzdem oder gerade deswegen?, erlaubte ihm das Bündnis seinen Vortrag abzuhalten.


Sein Referat bestand allerdings aus einer Ansammlung diverser Verschwörungstheorien über Wetterwaffen (Chemtrails/ HAARP) und verfehlte das angekündigte Thema. Hervorzuheben sind einige Mitglieder der Schweriner „Jusos“, die Klasen genau das vorwarfen und von denen mindestens Einem Rüdiger Klasens Vergangenheit bekannt war, der dies aber gegenüber dem Anti- Atombündnis verschwieg. Obwohl mehrere ZuhörerInnen, aufgrund des offensichtlichen Wahns seiner Rede den Raum verlieszen , konnte er den Vortrag bis zu Ende halten.


Who the fu.xx.! is Rüdiger Klasen ?

Rüdiger Klasen ist alles andere, als ein Unbekannter. Er war bis 1992 der Kreisvorsitzender der NPD in Hagenow (bis Juni 1994 noch eigener Landkreis). 1995 wurde er wegen schweren Landesfriedensbruch, versuchter schwerer Brandstiftung, und versuchter schwerer Körperverletzung zu 3 Jahren und 6 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Er hatte am 31. Juli 1992 mit etwa 30 örtlich rekrutierten Neonaziskinheads und unter Führung des damaligen stellvertretenden NPD-Vorsitzenden von Schleswig-Holstein, Heinrich Förster das Flüchtlingsheim in Boizenburg- Bahlen angegriffen. Durch das Lärmschlagen vor dem Haus sollten die MigrantInnen aus der Unterkunft gelockt und dann zusammengeschlagen werden, danach sollte das Gebäude mit Molotowcocktails in Brand gesteckt werden.

Nachdem er vor dem Schweriner Landgericht 1995 gegen Heinrich Förster als Hauptbelastungszeuge aussagte, stieg er angeblich aus der rechten Szene aus. Tatsächlich versuchte sich Klasen als seriöser Antiquitäten- und Diätproduktehändler. Nachdem dies allerdings gegen Ende 2010 scheiterte, wandte er sich wieder langsam der Politik zu.
So verfaszte er 2009 einen in der Ostsee Zeitung abgedruckten Leserbrief, indem er sich abfällig über die Initiatoren der Universitäts- Umbenennung in Greifswald äuszerte. Darin wetterte er gegen „ungebildete, linksextremistische Kulturbolschewisten“ die den Antisemiten Ernst Moriz Arndt als Namenspatron ablösen wollten.

Am 26. Juni 2010 trat er als Redner, neben NPD- Parteichef Udo Voigt, bei einem Seminar der Leipziger NPD im Nazizentrum in der Odermannstrasze auf.
Auszerdem knüpfte er Kontakte in das Milieu der „Reichsdeutschen“ und zu Verschwörungsesoterikern. Seine „Informationen“ werden von ihnen mittlerweile kommentarlos weiter zitiert. In ihren Foren und Blogs spekuliert er u. A. darüber, dasz das Erdbeben in Japan ein HAARP Angriff der USA gewesen wäre, da Japan die USA wegen des angeblichen „9/11 Inside Job“ kritisiert hätte.

Und was sagt das Bündnis dazu ?

Obwohl das Bündnis Rüdiger Klasen, nach bekannt werden seiner personellen Hintergründe, vorübergehend ausgeschloszen hat, wurde weiterhin der Umgang mit seiner Person und seinen (Verschwörungs-) Theorien verteidigt. Seine Theorien werden von Bündnismitgliedern zum Teil als schlüszig vor Kritik in Schutz genommen.
Auch eine Bagatellisierung war zu verspüren. Einige MitgliederInnen waren der festen Überzeugung, R. Klasen sei trotz seiner Aktivitäten weiterhin ein Aussteiger.

Deshalb setzte die „Anti- Atomgruppe Schwerin“ für Mittwoch, den 27.04.2011 ein „Klärungsgespräch“ mit Klasen an. In diesem sollte er die Möglichkeit haben, sich zu rechtfertigen. Ob die „Enttarnung“ Klasens innerhalb des Bündnisses, ihn dazu bewegt sich von der Naziszene abzuwenden, darf bezweifelt werden. Das Bündnis selbst wollte den bekennenden Nazi jedoch nicht ungefragt ausschlieszen, da man: „…ja, sonst nicht besser, als die Nazis ist.“ Toleranz für Intolerante? Eine offene Auseinandersetzung mit dem Geschehenen und der Nichtzusammenarbeit mit Nazis (ein Grundsatz des Bündnisses) sieht anders aus.

And now ?

Auf eine offizielle Stellungnahme des Bündnisses wartete man vergebens. Soll so eine effiziente und notwendige Auseinandersetzung mit der versuchten Unterwanderung des Bündnis durch einen Nazi aussehen? Durch nichtäuszern, verschweigen, kleinreden oder verharmlosen des Problems ist, auszer den Nazis, keiner und keinem geholfen. Über diese Problematik musz offen, engagiert und kritisch berichtet werden. Denn nur so werden solche Bündnisse für Nazis und andere anti-emanzipatorische Spinner uninteressant.

Das Nazis gerade, aber nicht nur hier, in Mecklenburg- Vorpommern, sehr bemüht sind, einen Fusz in die sozialen Proteste und Protestformen zu bekommen, um ihren völkischen Mist und ihren kruden Antisemitismus zu verbreiten und um AnhängerInnen für sich zu gewinnen, ist nichts Neues. Doch gerade mit Kenntnis um dieses Wissen sollten alle ihre Augen und Ohren offenhalten und offensiv mit dieser Problematik umgehen, denn spätestens, wenn jeder Nazi das Maul aufmacht, erkennt jeder und jede seine dahinterstehende Ideologie und spätestens dann heiszt es Konsequenzen zu ziehen. Und das können nicht Gesprächsangebote sein, sondern nur der konsequente Ausschlusz von Nazis! Es besteht kein Zwang Nazis die gleiche menschliche Achtung, wie allen anderen Menschen entgegen zu bringen. Durch ihr Handeln, ihre Taten und ihre Überzeugungen positionieren sie sich bewuszt auszerhalb aller anderen Menschen. Dann sollte man sie auch dort in ihrem selbstgewählten und geistig umnachtetem Exil lassen- nichts stört sie mehr, als ihnen keine Plattform zu geben. Denn es gilt immer noch: Faschismus ist keine Meinung- sondern ein Verbrechen!

Nicht nur die „Anti-Atomgruppe Schwerin“, sondern auch alle anderen Gruppen und Bündnisse die in den Bereichen: Anti- Atom, Tierrecht, Anti- Gentechnik, Umweltschutz und Anti- Kapitalismus arbeiten und aktiv sind, als auch jede und jeder, die oder der sich politisch und emanzipatorisch engagiert, sollte sich mit dem Thema Verschwörungstheorien auseinandersetzen. Sie bieten immer wieder Anknüpfungspunkte für Nazis, Rassisten und Antisemiten. Und sind eine ideale Querfrontstrategie, um auch nationalsozialistische Versatzstücke in vermeintlich emanzipatorische Kreise zu transportieren.
Wer politische Arbeit betreibt, kann nun mal Gefahr laufen die falschen Leute anzuziehen, umso wichtiger ist es, sich im Vorfeld und gelegentlich oder anlaszbezogen immer wieder politisch zu positionieren, dasz ist wichtig und notwendig und kann nie zu viel sein. Auf der anderen Seite sollte immer die eigene politische Arbeit reflektiert werden. Machen, um des Machenswillen ist selten von einer Langlebigkeit geprägt und öffnet Typen, wie Rüdiger Klasen, Tür und Tor. Es sollte sich nicht nur kritisch mit dem jeweiligen Aktionsfeld auseinandergesetzt werden, sondern auch immer mit sich, der Gruppe, dem Bündnis- der eigenen Meinung, der Gruppenmeinung, des Bündnisverständnisses. Es bleibt zu hoffen, dasz sich die „Anti-Atomgruppe Schwerin“ gegenüber Nazis und Verschwörungstheoretikern klar abgrenzt und aus den Fehlern im Umgang mit Klasen lernt.

Antifa Schwerin- Mitte, 27. April 2011